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Spezialitäten

 

 

Blöchla

Produktgruppe:

Schmalzgebäck

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Blöcher als Festtagsgebäck

Blöcher als Festtagsgebäck

Blöcher als Festtagsgebäck Blöcher (2)

weitere Bezeichnung:

das Blöchla, Blöchle

Regionen:

Frankenwald, Kronach

Offenlegungsdatum:

Bei den Blöchla handeln es sich um ein altes Brauchtumsgebäck, dessen genaues Alter jedoch offen ist.

Beschreibung:

Eine Spezialität aus dem Frankenwald, die nur an besonderen Festtagen gebacken wird, sind die Blöchla, ein röhrenförmiges, innen hohles Schmalzgebäck, das mit einem besonderen Eisen hergestellt wird. Der Name leitet sich aus der Flößerei ab, die über viele Jahrhunderte der wichtigste Erwerbszweig im Frankenwald war. Als "Blöcher" bezeichnete man besonders dicke und wertvolle Baumstämme, die zur Weiterverarbeitung in die regionalen Sägemühlen geflößt wurden. In gebackener Form ließen die köstlich-knusprigen Blöchla sicherlich so manche Mühe des arbeitsreichen Flößeralltags vergessen. Davon kann man sich auch heute noch überzeugen.

Mit den Blöchla verwandt sind verschiedene andere Schmalzgebäcke wie die Harische, Geschnidna Hosn oder auch die in Mittelfranken typischen Schneebälle.

Die Flößerei im Frankenwald gehörte über die Jahrhunderte hinweg zu den wichtigsten Erwerbsquellen für die Menschen in der Region. Ihre baulichen und landschaftlichen Überlieferungen, Tradition und Brauchtum haben den Kulturraum Frankenwald gleichermaßen geprägt und beeinflusst. Bauholz aus dem Frankenwald wurde in vielen altehrwürdigen Denkmälern Oberfrankens verarbeitet. Auch die Landwirtschaften des Frankenwaldes waren oft sehr kleinteilig, so dass viele Bauern ihre Existenz zugleich durch ein Handwerk sichern mussten. Häufig wurde nur etwas Getreide angebaut und eine Kuh als Grundlage für die eigene Ernährung gehalten.

Kein Wunder, dass das arbeitsame und durch ein strenges Regiment organisierte Flößergewerbe auch seine eigenen kulinarischen Spezialitäten entwickelt hat. Hierzu gehören die nur zu besonderen Festanlässen wie Hochzeit, Konfirmation, Kommunion oder Kirchweih gebackenen "Blöchla", ein Schmalzgebäck, das mit einem speziellen Rundeisen knusprig ausgebacken und in Zucker gewälzt wird. Wie die typischen Ausgezogenen Krapfen werden dann auch Blöchla an Nachbarn, Verwandte und Bekannte ausgetragen.

Die "Blöchla" oder "Blöchle", wie sie im regionalen Dialekt heißen, werden aus einem sehr gehaltvollen Teig (ähnlich dem Mürbeteig) gebacken. Die Zutaten wie Eier, Rahm und Mehl stammten häufig aus der eigenen Wirtschaft. In einigen Rezepten kommt auf 1 1/2 - 2 Pfund Mehl 1 Pfund Butter und bis zu 8 Eier. Andere verringern zwar die Zahl der Eier, verwenden dafür aber reichlich Sauerrahm zum Teig. Man sieht, die Blöchla sind einfach ein Gebäck, bei dem an nichts gespart werden sollte! Der Blöchlateig muss sehr dünn ausgerollt werden, so dass man hindurch schauen kann. Dann werden mit dem Rändelschneider Rechtecke geschnitten und um ein konisches Eisen gewickelt, mit Eiweiß verklebt und in heißem Butterschmalz ca. 6 Minuten ausgebacken. Danach werden die Blöchla sofort in Zimtzucker gewendet.

Das Backen der Blöchla war häufig schon ein eigenes Fest. Hierzu kamen vor allem die Frauen zusammen und die Kinder durften mithelfen. Männer dagegen störten nur. Ein Blöchlaeisen war daher auch in früheren Zeiten unbedingter Bestandteil der weiblichen Ausstattungen zur Hochzeit. Meistens wurden die Blöchla - im Gegensatz zu den Krapfen, die frisch sein mussten - schon einige Tage vor dem eigentlichen Festanlass gebacken; der fett- und eiweißhaltige Blöchlateig und das rösche Ausbacken im Fett macht das Gebäck für eine längere Zeit haltbar. Man kann sie in großen Blechdosen problemlos 2 - 3 Wochen aufbewahren.

Der Name dieses knusprigen Gebäcks spielt übrigens auf das wertvolle Stammholz, die sog. Blöcher an, die über ein ausgeklügeltes System von Wasserhaltungen und Mühlbächen zu den Sägemühlen des Frankenwaldes und der größeren Städte (Wallenfels, Steinselb, Kronach) getrifftet wurden. In der Überlieferung z.B. der Bamberger Bischofsurbare oder der Kronacher Kastenamts- und Zollrechnungen läßt sich das Gesamtsystem der Blöchertrifft und des Mühlenwesens bis ins 14. und 15. Jahrhundert zurückführen.

Ob auch unsere gebackenen Blöchla in diese frühe Zeit zurückgehen, ist nicht zu belegen. Auf jeden Fall gab es sie ursprünglich nur zur Kerwa- oder Kermeszeit, die mit dem Ausklang des Sommers begann. Von Donnerstag bis "Irta", dem Dienstag nach dem Kirchweihsonntag, wurde und wird auch heute noch ausgiebig gefeiert, gegessen und getrunken.

Als altüberliefertes Brauchtumsgebäck werden Blöchla heute noch von versierten Blöchla-Bäckerinnen oder auch einzelnen Bäckern im Frankenwald zu besonderen festlichen Anlässen hergestellt. Man isst sie übrigens, indem man sie mit der Hand wie das Stammholz spaltet und sich dann die zersplitterten Gebäckstücke teilt.

Aufbewahrung / Haltbarkeit:

Aufgrund des hohen Fettgehalts eignen sich Blöchla zur längeren Aufbewahrung. Man legt sie am besten vorsichtig in eine verschließbare Dose und deckt sie lagenweise mit Pergamentpapier ab.

Jahreskalender:

Sie können die Spezialität ganzjährig und zur Kerwa-Saison genießen.

Genusstipp:

Blöcher isst man einfach nur mit Puderzucker bestreut. Dazu schmeckt eine Tasse Kaffee.

Rezept

Blöchla

Literatur:

Kerstin Rentsch, Essen hält Leib und Seele zusammen, Tettau 2010 (S. 114.)
Birgit Ringlein, Fränkische Backstub', Husum 2009, (S. 36.)

Autoren:

Genussregion Oberfranken, Foto Martin Bursch; Textbearbeitung Birgit Ringlein, Uta Hengelhaupt

 

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